Zwei Gemeinden
der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Hamburg

Geistliches Wort
 

Über meinem Schreibtisch, also in meinem unmittelbaren Blickfeld, hängt die Kopie der „Dreifaltigkeits-Ikone“ von Andrej Rubljow, die dieser um das Jahr 1425 für die Kirche im Dreifaltigkeitskloster im heutigen Sagorsk (nordöstlich von Moskau gelegen) gemalt hat.

 

Heute befindet das Original sich in einer Galerie in Moskau. Ich mag dieses Bild sehr,

und jetzt, zum Beginn der Trinitatiszeit, will ich es einmal kurz vorstellen.
 

Nicht direkt werden die drei Personen des einen Gottes dargestellt. Den äußeren Rahmen liefert vielmehr die Geschichte aus 1. Mose 18: „Der Herr bei Abraham im Hain Mamre“. Drei Männer erscheinen, um die Geburt Isaaks anzukündigen und damit die Geschichte des alttestamentlichen Gottesvolkes einzuläuten. Hier beginnt somit auch die Geschichte unserer Erlösung, denn auf Abrahams Samen, nämlich Jesus Christus und auf sein Kreuz und seine Auferstehung läuft diese Geschichte ja zuletzt hinaus.
 

Schon früh in der Kirchengeschichte wurden die merkwürdigen Umstände dieser biblischen Geschichte auf die heilige Dreifaltigkeit gedeutet. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist halten Rat über den Weg, der hier beginnt. Es gibt im Einzelnen verschiedene Deutungen dieser Ikone. Hinter welcher Gestalt verbirgt sich welche göttliche Person? Ist es Gott Vater in der Mitte, der fragend den Heiligen Geist anblickt („Wen soll ich senden?“), dabei aber schon auf den Sohn weist, auf den auch der Heilige Geist seine Augen richtet, und der selbst den Leidenskelch schon vor Augen hat? Oder sitzt Christus in der Mitte, der wie der Heilige Geist dem Vater zugeneigt ist und auf Weisung wartet?
 

Nicht die Deutung dieser Ikone ist entscheidend. Viel wichtiger ist, dass tatsächlich der dreieinige Gott, die heilige Dreifaltigkeit, nichts unterlassen, nichts dem Zufall überlassen, sondern selbst auf wunderbare Weise alles getan und vollbracht hat, um der in Sünde gefallenen Welt, um auch uns Erlösung zu schaffen und das ewige Leben zu bereiten.

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